Wirtschaftliche Auswirkungen steigender Spritpreise in Deutschland
Berlin () – Das Bundesfinanzministerium von Lars Klingbeil (SPD) widerspricht Behauptungen, der Staat würde von den stark steigenden Spritpreisen profitieren. „Für den Bund ist ein Minderaufkommen wahrscheinlich“, schreiben die Beamten des Finanzministers in einer Vorlage, über die der „Spiegel“ berichtet.
Zwar entstehen demnach Mehreinnahmen durch die Umsatzsteuer von 19 Prozent, die auf die Gesamtsumme erhoben werden. Bei monatlich mehr als fünf Milliarden Litern Sprit und 40 Cent höheren Preisen wäre das eine Summe von 320 Millionen Euro, gerechnet auf das Jahr wären das fast vier Milliarden Euro.
Doch dieser Betrag reduziert sich laut den Berechnungen des Finanzministeriums deutlich. 40 Prozent des Sprits, vor allem Diesel, werden demnach von gewerblichen Kunden wie Speditionen oder Baufirmen getankt, die keine Umsatzsteuer zahlen, womit die Mehreinnahmen auf 200 Millionen Euro im Monat sinken. Höhere Preise an den Zapfsäulen bewirken laut der Vorlage zudem, dass die Menschen sparsamer fahren oder Fahrten ganz vermeiden. Aus der Erfahrung der letzten Energiekrise im Zuge des russischen Überfalls auf die Ukraine schätzen Klingbeils Leute, dass sich die Menge an verkauftem Sprit um fünf Prozent reduziert. Dadurch sinken die Mehreinnahmen aus der Umsatzsteuer um 50 Millionen Euro auf 150 Millionen Euro.
Diese Summe teilen sich Bund, Länder und Gemeinden, im Bundeshaushalt bleiben rund 47 Prozent. Doch der theoretische Profit werde zunichtegemacht durch geringere Einnahmen aus der Energiesteuer, die nicht auf den Verkaufspreis, sondern die verkaufte Menge aufgeschlagen wird. Die daraus resultierenden Mindereinnahmen schaden alleine dem Bund. Die Beamten des Vizekanzlers kalkulieren mit 140 Millionen Euro, die monatlich beim Bund fehlen. Unterm Strich komme für das Bundesfinanzministerium deshalb ein Verlust heraus. Wie groß dieser ausfällt, traut man sich allerdings nicht zu beziffern. „Wie hoch die tatsächliche Mengenreduktion ausfallen wird, ist sehr unsicher“, heißt es in dem Ministeriumspapier.
Allerdings müsse man „in der Gesamtbetrachtung“ noch einen weiteren Effekt betrachten, der die Bilanz für den Bund negativ beeinflusst, heißt es in der Vorlage. Die Verbraucher verfügten nur über ein begrenztes Konsumbudget. „Somit dürften die Verbraucher die Ausgaben für höhere Kraftstoffe tendenziell an anderer Stelle einsparen“, und das führe zu „geringeren Einnahmen“ an Umsatzsteuer. Im Ministerium sorgt man sich vor einem Krieg, der sich in die Länge zieht. Steigende Kraftstoffpreise würden „mit zunehmender gesamtwirtschaftlicher Unsicherheit durch den Irankrieg“ einhergehen. Mit negativen Folgen für den Bundeshaushalt.
Zu ähnlichen Ergebnissen wie Klingbeils Beamte kommt in vorläufigen Berechnungen Stefan Bach, Steuerexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach könnte der Spritverbrauch um vier Prozent zurückgehen, sofern die Preissteigerungen ein ganzes Jahr anhalten. Das Mehrwertsteueraufkommen würde durch die gestiegenen Preise um maximal 1,9 Milliarden Euro steigen. „Aber nur, wenn die Verbraucher die Mehrausgaben nicht an anderer Stelle kompensieren, etwa weil sie nicht weniger sparen oder Vermögen abbauen können“, so Bach. Rechnet man die zu erwartenden Mindereinnahmen, etwa bei Energiesteuer und CO₂-Abgabe, gegen, würden unterm Strich die Steuereinnahmen aus dem Spritverkauf in Bachs Szenario um rund 1,1 Milliarden Euro sinken.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Shell-Tankstelle (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Lars Klingbeil, Stefan Bach
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Bundesfinanzministerium, Lars Klingbeil, SPD, Bund, Speditionen, Baufirmen, Finanzministerium, Vizekanzler, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, DIW, Irankrieg
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Die beschriebenen Ereignisse finden hauptsächlich in Berlin statt, da es sich um das Bundesfinanzministerium handelt, das dort ansässig ist. Die Tankstellen sind in ganz Deutschland verteilt, aber es wird spezifisch auf die Situation der Spritpreise und deren Auswirkungen auf den Bund in diesem Kontext eingegangen.
Worum geht es in einem Satz?
Das Bundesfinanzministerium widerspricht der Annahme, dass der Staat von steigenden Spritpreisen profitiert, und prognostiziert stattdessen ein wahrscheinliches Steuer-Minderaufkommen aufgrund reduziertem Spritverbrauch und geringeren Einnahmen aus der Energiesteuer.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Stark steigende Spritpreise
- Umsatzsteuer von 19 Prozent auf Gesamtsumme
- Hohe Spritmenge (über fünf Milliarden Liter monatlich)
- 40 Cent höhere Preise für Sprit
- Hoher Anteil von gewerblichen Kunden (40%)
- Rückgang des Spritverbrauchs um 5% aus Erfahrung vergangener Krisen
- Geringere Einnahmen durch Energiesteuer
- Begrenztes Konsumbudget der Verbraucher
- Unsicherheit durch geopolitische Konflikte (z.B. Irankrieg)
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Bundesfinanzministerium widerspricht Behauptung, dass der Staat von steigenden Spritpreisen profitiert
- Mehreinnahmen durch Umsatzsteuer geschätzt auf 320 Millionen Euro jährlich
- 40 Prozent des Sprits wird von gewerblichen Kunden getankt, wodurch Mehreinnahmen auf 200 Millionen Euro sinken
- Spritverbrauch könnte um fünf Prozent zurückgehen, was weitere Mehreinnahmen um 50 Millionen Euro auf 150 Millionen Euro reduziert
- Theoretischer Profit wird durch Mindereinnahmen aus Energiesteuer aufgehoben
- Bundeshaushalt erwartet monatliche Mindereinnahmen von 140 Millionen Euro
- Verbraucher könnten Ausgaben für Kraftstoffe an anderer Stelle einsparen, was zu geringeren Umsatzsteuereinnahmen führt
- Sorgen um wirtschaftliche Unsicherheit durch den Irankrieg und ihre Folgen für den Bundeshaushalt
- Ähnliche Ergebnisse in Berechnungen von Steuerexperte Stefan Bach, der potenziellen Rückgang der Steuereinnahmen schätzt
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Wahrscheinliches Minderaufkommen für den Bund
- Reduzierung der Mehreinnahmen durch Umsatzsteuer
- Rückgang des Spritverkaufs um fünf Prozent erwartet
- Senkung der Mehreinnahmen auf 150 Millionen Euro monatlich
- Mindereinnahmen aus Energiesteuer schaden dem Bund
- Monatlicher Verlust von 140 Millionen Euro für den Bund
- Geringere Einnahmen durch reduzierte Verbraucher-Ausgaben
- Negative Bilanz für den Bundeshaushalt
- Stärkere gesamtwirtschaftliche Unsicherheit
- Möglicher Rückgang des Spritverbrauchs um vier Prozent
- Unterm Strich Rückgang der Steuereinnahmen aus Spritverkauf um 1,1 Milliarden Euro
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums zitiert, die besagt, dass ein Minderaufkommen für den Bund wahrscheinlich ist und die höheren Spritpreise durch geringere Einnahmen aus der Energiesteuer kompensiert werden.
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