Gesellschaftliche Herausforderungen in der Strafjustiz Deutschlands
Berlin () – Von der bundesweiten Überlastung der Strafjustiz sind der Norden und Westen Deutschlands nach neuen Angaben des Deutschen Richterbundes (DRB) besonders dramatisch betroffen. In Hamburg sei die Zahl der offenen Fälle seit 2020 von 29.355 um 161 Prozent auf aktuell 76.637 hochgeschnellt, sagte DRB-Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Montagsausgabe). Auch die Neueingänge bei der Staatsanwaltschaft Hamburg seien ungebremst weiter gestiegen und hätten 2025 mit rund 186.000 neuen Fällen einen Höchststand erreicht.
In Nordrhein-Westfalen kämpfen die Strafverfolger ebenfalls mit stark steigenden Fallzahlen. 2025 haben die Ermittler im bevölkerungsreichsten Bundesland erstmals mehr als 1,3 Millionen neue Verfahren verzeichnet (1.303.773), so Rebehn. Die Zahl der offenen Verfahren sei bei den Staatsanwaltschaften in NRW von 177.846 unerledigten Fällen Ende 2020 auf fast 300.000 offene Verfahren zum Jahresende 2025 gestiegen (299.959). „Das ist ein Anstieg um 69 Prozent in fünf Jahren, der Aktenstau wird auch hier immer länger.“
Vorvergangene Woche hatte der DRB mitgeteilt, dass bundesweit Ende 2025 erstmals die Marke von einer Million überschritten wurde. „Jahr für Jahr schieben die Staatsanwaltschaften einen immer größeren Verfahrensberg vor sich her und können diesen ohne zusätzliches Personal nicht abtragen“, sagte Rebehn. Als Folge würden mutmaßliche Straftäter immer häufiger aus der Untersuchungshaft freikommen, weil ihre Verfahren zu lange dauern. „Das geschieht im Schnitt jede Woche einmal.“
„Es erschüttert aber das Vertrauen der Menschen in den Rechtsstaat, wenn die Justiz nur noch eine Strafverfolgung nach Kassenlage leisten kann“, sagte der Verbandschef und forderte: „Bund und Länder müssen endlich liefern und die chronisch unterbesetzte Strafjustiz durch die verabredete Neuauflage des Rechtsstaatspakts personell verstärken. Es fehlen bundesweit 2000 Staatsanwälte und Strafrichter, allein in NRW brauchen wir rund 350 zusätzliche Strafverfolger, um die wachsende Verfahrensflut bewältigen zu können.“
Die Staatsanwaltschaften in Niedersachsen haben im vergangenen Jahr 556.156 neue Strafsachen erreicht. Das ist ein moderater Anstieg gegenüber 2024 (550.735 Fälle). Auch die niedersächsischen Ermittler schieben einen gewaltigen Berg unerledigter Verfahren vor sich her, der nach 57.937 Fällen im Jahr 2020 bis zum Jahresende 2025 auf 81.078 Fälle gewachsen ist. Das entspricht einem Anstieg von 40 Prozent bei den unerledigten Fällen binnen fünf Jahren.
Die Entwicklung bei den Staatsanwaltschaften Schleswig-Holsteins liegt in etwa im Bundesschnitt. Hier sehen die Strafverfolger einen Zuwachs bei den unerledigten Verfahren um 49 Prozent, von 26.892 offenen Fällen 2020 auf aktuell 40.026 Fälle. Die Zahl der neu eingegangenen Strafsachen ist in Schleswig-Holstein zuletzt leicht rückläufig gewesen (181.773 Neueingänge 2025 nach 193.501 im Vorjahr 2024).
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Justizzentrum (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Die vollständigen Namen der Personen, die im Artikel vorkommen, sind: Sven Rebehn.
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Deutscher Richterbund (DRB), "Neue Osnabrücker Zeitung", Bund, Länder, Staatsanwaltschaften Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein.
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt.
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Die beschriebenen Ereignisse finden oder fanden in folgenden Orten statt:
Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein
Worum geht es in einem Satz?
Die bundesweite Überlastung der Strafjustiz in Deutschland hat besonders im Norden und Westen dramatische Ausmaße angenommen, da die offenen Verfahren in Hamburg und Nordrhein-Westfalen stark angestiegen sind, während die Justiz aufgrund fehlender personeller Ressourcen zunehmend Schwierigkeiten hat, die wachsenden Fallzahlen zu bewältigen.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Bundesweite Überlastung der Strafjustiz
- Dramatischer Anstieg offener Fälle seit 2020
- Steigende Neueingänge bei Staatsanwaltschaften
- Mangel an Personal in der Strafjustiz
- Chronische Unterbesetzung und Bedarf an zusätzlichen Strafverfolgern
- Hohe Fallzahlen in mehreren Bundesländern, insbesondere Hamburg und NRW
- Anstieg unerledigter Verfahren in Niedersachsen und Schleswig-Holstein
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Dramatische Zunahme offener Fälle in Hamburg von 29.355 auf 76.637 seit 2020
- Neueingänge bei der Staatsanwaltschaft Hamburg erreichen 2025 rund 186.000, Höchststand
- Nordrhein-Westfalen verzeichnet 2025 erstmals über 1,3 Millionen neue Verfahren
- Offene Verfahren in NRW steigen von 177.846 Ende 2020 auf fast 300.000
- DRB meldet bundesweit über eine Million offene Verfahren Ende 2025
- Häufige Freilassungen mutmaßlicher Straftäter aufgrund zu langer Verfahrensdauer
- Vertrauensverlust in den Rechtsstaat, da Justiz nur nach Kassenlage arbeiten kann
- DRB fordert personelle Verstärkung der Strafjustiz durch Bund und Länder
- Fehlende 2000 Staatsanwälte und Strafrichter bundesweit, 350 in NRW
- Niedersachsen verzeichnet 2025 moderate Zunahme neuer Strafsachen, total 556.156
- Unerledigte Verfahren in Niedersachsen steigen von 57.937 im Jahr 2020 auf 81.078
- Zuwachs unerledigter Verfahren in Schleswig-Holstein um 49 Prozent
- Leicht rückläufige neueingegangene Strafsachen in Schleswig-Holstein 2025 im Vergleich zu 2024
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Dramatischer Anstieg der offenen Fälle in Hamburg um 161 Prozent
- Höchststand neuer Fälle bei der Staatsanwaltschaft Hamburg mit rund 186.000
- Übersteigerte Fallzahlen in Nordrhein-Westfalen, mehr als 1,3 Millionen neue Verfahren im Jahr 2025
- Anstieg unerledigter Verfahren in NRW um 69 Prozent
- Wachsende Aktenstaus in der Justiz
- Freilassung mutmaßlicher Straftäter aus Untersuchungshaft aufgrund zu langer Verfahrensdauer
- Vertrauensverlust der Menschen in den Rechtsstaat
- Forderung nach personeller Verstärkung der Strafjustiz
- Fehlende Staatsanwälte und Strafrichter bundesweit, insbesondere 350 in NRW
- Anstieg unerledigter Verfahren in Niedersachsen um 40 Prozent
- Zuwachs bei unerledigten Verfahren in Schleswig-Holstein um 49 Prozent
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme von Sven Rebehn, dem Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes (DRB), zitiert, der die dramatische Situation der Strafjustiz beschreibt und fordert, dass Bund und Länder die Strafjustiz personell verstärken müssen.
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