Finanzen

Robo-Advisors – Bedrohung für klassische Vermögensverwalter?

Robo-Advisors – Bedrohung für klassische Vermögensverwalter?

Seit mittlerweile knapp zwei Jahren gibt es einen Trend am Finanzmarkt, der die Vermögensverwaltung betrifft. Bis dato konnten sich Anleger nahezu ausschließlich an klassische Vermögensverwalter wenden, wenn sie den Wunsch hatten, ihr eigenes Vermögen professionell von Experten verwalten zu lassen. Der Nachteil an einer klassischen Vermögensverwaltung, die zum Beispiel von zahlreichen Banken angeboten wird, besteht allerdings darin, dass die Kosten häufig sehr hoch sind und der Anleger nicht immer weiß, aus welchem Grund sein Kapital eigentlich in welche Finanzprodukte investiert wird. Zudem sind klassische Vermögensverwaltungen oftmals nur Kunden zugänglich, die über ein Mindestvermögen von beispielsweise 500.000 Euro verfügen. Unter anderem diese Nachteile der klassischen Vermögensverwaltung greifen seit knapp zwei Jahren immer mehr Anbieter auf, die sich als Online-Vermögensverwalter oder populärer ausgedrückt als Robo-Advisors bezeichnen.

Was sind Robo-Advisors?

Vielleicht haben Sie den Begriff Robo-Advisor schon einmal gehört, denn die entsprechenden Anbieter machen in den letzten zwei Jahren durchaus von sich reden. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei einem Robo-Advisor um einen Anbieter, der entweder als Finanzanlagenvermittler oder als Online-Vermögensverwalter tätig ist. Auf jeden Fall handelt es sich um ein rein digitales Angebot, welches die Kunden über die Webseite des entsprechenden Anbieters nutzen können. Die überwiegende Mehrheit aller am Markt existierenden Robo-Advisors, von denen es mittlerweile mehr als 25 gibt, stellt tatsächlich eine Online-Vermögensverwaltung zur Verfügung und beschränkt sich nicht nur auf die Vermittlung von Finanzanlageprodukten. Die wesentliche Aufgabe eines Robo-Advisors besteht darin, das vom Kunden angelegte Kapital zu verwalten und natürlich im Idealfall für den Anleger eine gute Rendite zu erzielen.

Wie funktioniert die Online-Vermögensverwaltung?

Ein Vorteil der Robo-Advisors besteht unter anderem darin, dass diese sich eine hohe Transparenz auf die Fahnen geschrieben haben. Tatsächlich ist die Funktionsweise meistens leicht verständlich und Anleger profitieren von einer guten Nachvollziehbarkeit. Von der Anmeldung beim jeweiligen Online-Vermögensverwalter bis hin zur eigentlichen Vermögensverwaltung müssen Anleger in erster Linie die folgenden Schritte absolvieren:

  1. Registrierung beim Robo-Advisor
  2. Ausfüllen eines Online-Fragebogens (Onboarding)
  3. Zuteilung des passenden Portfolios
  4. Transfer der Anlagesumme
  5. Regelmäßige Reports durch den Robo-Advisor

Ein ganz entscheidender Teil der Geschäftstätigkeit besteht bei den Robo-Advisors darin, dass die Anleger ausführlich zu einigen Punkten befragt werden. Dies wird auch als Onboarding bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen Online-Fragebogen, den jeder Kunde ausfüllen muss, bevor der Robo-Advisor mit der Vermögensverwaltung tätig wird. Innerhalb dieses Fragebogens gibt es meistens zahlreiche Punkte, zu denen der Kunde Angaben machen muss, wie zum Beispiel:

  • Erfahrungen mit Anlageprodukten
  • Vorhandenes Vermögen
  • Einstellung zu Risiko und Rendite
  • Anlagedauer
  • Bevorzugte Finanzprodukte

In erster Linie dienen die Angaben dem Robo-Advisor dazu, das Chance-Risiko-Profil des Kunden zu ermitteln. Dies bedeutet, dass der Anbieter aus den Angaben ableitet, ob der Anleger eher zu einer sehr sicheren Anlage tendiert oder eine überdurchschnittliche Rendite erzielen möchte, dann jedoch auf Kosten eines erhöhten Risikos. Nach Auswertung der Angaben ordnen die meisten Robo-Advisors dem Kunden dann das passende Portfolio zu. Je nach Online-Vermögensverwalter gibt es zum Teil mehr als zehn unterschiedliche Portfolios, die sich von der Struktur her zum Teil deutlich unterscheiden.

Welche Vorteile haben Robo-Advisors?

Ein großer Vorteil besteht bei nahezu allen Robo-Advisors darin, dass diese für den Anleger mit deutlich geringeren Kosten verbunden sind, als es bei der klassischen Vermögensverwaltung der Fall ist. Diverse Robo-Advisors arbeiten mit einer Gebühr, die auf prozentualer Basis vom Anlagevolumen abhängt. Durchschnittlich belaufen sich die Gesamtkosten für den Kunden je nach Anbieter zwischen jährlich 0,6 und 1,2 Prozent. Bei vielen klassischen Vermögensverwaltern sind die Kosten für den Kunden erheblich höher, allerdings gibt es dafür beim Robo-Advisor natürlich keine persönliche Betreuung, schon gar nicht vor Ort.

Ein weiterer Vorteil der Robo-Advisors besteht für viele Anleger darin, dass sie die Dienste eines Online-Vermögensverwalters überhaupt nutzen können. Die zu tätigen der Mindesteinlagesumme bewegt sich nämlich je nach Anbieter im Bereich zwischen wenigen Hundert und selten über 10.000 Euro. Bei der klassischen Vermögensverwaltung hingegen werden oftmals nur Anleger angenommen, deren Gesamtvermögen sich mindestens im mittleren sechsstelligen Bereich bewegt.

In der Übersicht sind es insbesondere die folgenden Vorteile, durch welche sich Robo-Advisors auszeichnen können:

  • Oftmals geringere Kosten für den Anleger als bei klassischer Vermögensverwaltung
  • Deutlich geringere Mindestanlagesumme
  • Ausführliche Befragung des Kunden
  • Zuordnung passender Portfolios / Strategien
  • Transparent und flexibel

Welche Nachteile sind mit einem Robo-Advisor verbunden?

Natürlich gibt es auch bei den Robo-Advisors nicht nur Vorteile für den Anleger, sondern es sind ebenfalls einige Nachteile zu beachten. Der wohl größte Nachteil, den übrigens vor wenigen Wochen auch Stiftung Warentest (Finanztest) und die Verbraucherzentralen kritisiert haben, ist die fehlende Beratung. Da es sich bei den Robo-Advisors um ein rein digitales Angebot und eine Online-Vermögensverwaltung handelt, findet in dem Sinne weder eine Betreuung noch intensivere Beratung des Kunden statt. Allerdings ist dies bei einer klassischen Vermögensverwaltung oftmals ebenfalls nicht gegeben, denn dann müsste sich der Kunde tatsächlich an einen Vermögensberater wenden.

Ein weiterer Nachteil von Robo-Advisors kann darin bestehen, dass es insoweit an Transparenz mangelt, als dass der Kunde nicht darüber informiert ist, warum in welche Finanzprodukte investiert wird. Allerdings gibt es auch in dieser Hinsicht keinen großen Unterschied zum klassischen Vermögensverwalter, denn auch dort findet häufig nur eine reine Information darüber statt, in welche Anlageprodukte investiert wird, während zu den Gründen keine Angaben gemacht werden. Die meisten Kunden wünschen dies allerdings auch nicht, da sie sich bewusst für eine Vermögensverwaltung entscheiden, eben um einem Experten das Handling mit dem eigenen Vermögen zu überlassen.

Welche Robo-Advisors sind bereits am Markt?

Die Anzahl der am Markt aktiven Robo-Advisors ist in den vergangenen zwei Jahren enorm gestiegen. Mittlerweile (Stand August 2018) existieren über 25 digitale Vermögensverwalter, die ihre Dienste am Markt offerieren. Zu den Robo-Advisors, die bereits einen relativ hohen Bekanntheitsgrad erlangt haben, zählen unter anderem:

  • LIQID
  • Whitebox
  • Werthstein
  • Vaamo
  • Prospery

Wer sich grundsätzlich für einen Robo-Advisors entscheiden möchte, sollte auf jeden Fall die Möglichkeit nutzen, die Anbieter miteinander zu vergleichen. Zu diesem Zweck stehen diverse Portale zur Verfügung, in denen beispielsweise Erfahrungs- und Testberichte veröffentlicht werden. Wichtige Vergleichskriterien sind in erster Linie die Kosten, die Transparenz, die unterschiedlichen Strategien und – wenn möglich – auch die bisher erzielte Performance.

Sind Robo-Advisors eine Gefahr für klassische Vermögensverwaltungen?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Tatsächlich ist das Angebot der Online-Vermögensverwalter für zahlreiche Anleger attraktiv. Zum einen sind die Kosten wesentlich geringer als bei den meisten klassischen Vermögensverwaltern, zum anderen können aufgrund der geringeren Mindestanlagesummen viel mehr Kunden den Robo-Advisor nutzen, als einen Zugang zu einer klassischen Vermögensverwaltung erhalten. Auf der anderen Seite fehlt allerdings eines bei den Robo-Advisors, nämlich eine intensivere Beratung und individuelle Betreuung des Kunden. Insbesondere vermögende Privatkunden werden vermutlich auch weiterhin auf klassische Vermögensverwaltung setzen. Besonders interessant sind Robo-Advisors allerdings für Kleinanleger und Kunden mit einem mittleren Vermögen, sodass die Online-Vermögensverwalter voraussichtlich zukünftig den klassischen Vermögensverwaltungen zumindest einen Teil der bisherigen Kunden abnehmen werden.

Bild: © Depositphotos.com / wrangler

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Oliver Schoch ist gelernter Banker und seit 10 Jahren freiberuflicher Finanz-Journalist.