Finanzen

Niedrigzinsphase – welche Optionen haben Anleger?

Niedrigzinsphase – welche Optionen haben Anleger?

Die Niedrigzinsphase hält in Deutschland bzw. großen Teilen der Europäischen Union nun bereits seit mehreren Jahren an. Grund sind die EZB-Leitzinsen, die aktuell bei 0,0 Prozent liegen. Immer mehr Anleger fragen sich, welche Alternativen grundsätzlich zur Verfügung stehen, wenn man mit der Kapitalanlage zumindest eine Rendite oberhalb der Inflationsrate erzielen möchte. Mit Tagesgeldern, Festgeldern oder Spareinlagen ist dies bereits seit einigen Jahren kaum bzw. gar nicht mehr möglich, auch wenn Millionen Bundesbürger diese sicheren Anlageformen nach wie vor bevorzugen. Im folgenden Beitrag werden einige Alternativen zu klassischen Anlageformen verzinslicher Art genannt, mit denen Anleger auch in der Niedrigzinsphase die Möglichkeit haben, ihr Kapital mit einem akzeptablen Ertrag zu investieren.

Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen mit geringer Verzinsung

Was Anleger in der anhaltenden Niedrigzinsphase möglichst nicht tun sollten, ist das gesamte Vermögen in Tagesgelder, Festgelder oder Spareinlagen zu investieren. Zwar haben diese Anlageformen auch bei niedrigen Zinsen ihre Berechtigung, jedoch sollten sie lediglich zu einem kleineren Teil des Gesamtkapitals als Absicherung dienen. Aus Renditegesichtspunkten sind weder Spareinlagen noch Tages- und Festgelder jedoch empfehlenswert, denn die durchschnittlichen Zinsen bewegen sich dort aktuell zwischen 0,1 und 0,5 Prozent. Daher können Sie derzeit mit diesen sicheren Anlageformen nicht annähernd die Inflationsrate abdecken und erleiden demzufolge real betrachtet sogar Kapitalverluste. In der Übersicht sind es insbesondere die folgenden Anlageformen, die in der Niedrigzinsphase für Anleger keine wirkliche Alternative mehr sind, wenn diese zumindest etwas Wert auf einen akzeptablen Ertrag legen:

  • Tagesgeld
  • Festgeld
  • Spareinlagen
  • Anleihen von Emittenten mit sehr guter Bonität, zum Beispiel Bundeswertpapiere
  • Geldmarktpapiere

Nachdem Sie nun wissen, für welchen Anlageformen Sie in der Niedrigzinsphase nur geringe Erträge erwarten können, geht es in den folgenden Abschnitten um mögliche Alternativen, die mit einer zum Teil deutlich höheren Rendite ausgestattet sind.

Anleihen: festverzinsliche Wertpapiere als rentable Alternative

Anleihen, oftmals als Rentenpapiere oder festverzinsliche Wertpapiere bezeichnet, können durchaus eine rentable Alternative darstellen. Allerdings sollten Sie als Anleger wissen, dass es nicht nur sehr viele unterschiedliche Anleihearten mit abweichenden Eigenschaften gibt, sondern auch bezüglich Rendite und Sicherheit zum Teil enorme Unterschiede existieren. Wenn Sie sich beispielsweise in der aktuellen Niedrigzinsphase für Bundeswertpapiere entscheiden, werden Sie in aller Regel kaum höhere Erträge als mit Spareinlagen oder dem Festgeld erzielen. Sollen es demzufolge Rentenpapiere mit einer etwas höheren Rendite sein, bedeutet dies gleichermaßen fast immer, dass auch das Anlagerisiko, insbesondere in Form des Emittentenrisikos, zumindest leicht erhöht ist. Je schlechter die Bonität des Emittenten, desto höher ist zwar meistens die Verzinsung, aber eben auch das Risiko.

Ein guter Anhaltspunkt, mit welchem Risiko Sie bei einer Anleihe rechnen müssen, gibt die Klassifizierung der Rating-Agenturen. So können Sie beispielsweise zwar mit einer argentinischen Staatsanleihe eine sehr hohe Rendite erzielen, tragen dann allerdings auch das Risiko, dass Sie Ihr Kapital vielleicht nur in Teilen oder gar nicht zurück erhalten. Dieses Risikos sollten Sie sich bewusst sein, wobei es natürlich auch eine Reihe von festverzinslichen Wertpapieren gibt, die eine gute Mischung aus Sicherheit und Rendite verbriefen.

Zu den Rentenpapieren, die aufgrund ihrer Eigenschaften in der Niedrigzinsphase eine Alternative sein können, zählen unter anderem:

  • Staatsanleihen
  • Unternehmensanleihen
  • Wandelanleihen
  • Optionsanleihen
  • Gewinnschuldverschreibungen
  • Auslandsanleihen
  • Fremdwährungsanleihen

Aktien: Investment an der Börse verspricht langfristig gute Rendite

Eine sehr gute Alternative in der Niedrigzinsphase sind Aktien, allerdings vor allem unter der Voraussetzung, dass Sie einen langfristigen Anlagehorizont haben. Bei einer Anlagedauer von mindestens zehn Jahren gibt es kaum ein anderes Finanzprodukt, welches einerseits eine gute Rendite von durchschnittlich über acht Prozent im Jahr und gleichzeitig eine ebenfalls gute Sicherheit bietet. Insbesondere bei den Standardwerten gab es in der Vergangenheit nämlich kaum einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren, während dessen Sie Verluste erleiden mussten. Daher ist die Angst vieler Anleger vor einem Aktien-Investment eigentlich unbegründet, zumindest dann, wenn Sie Ihr Kapital mindestens 10-12 Jahre entbehren können und nicht schon nach wenigen Monaten oder Jahren gezwungen sind, auch bei zwischenzeitlichen Verlusten einen Verkauf durchführen zu müssen. Allerdings kommt es bei Aktien sehr auf die Auswahl der einzelnen Titel an, denn sowohl bei der Rendite als auch bei der Sicherheit gibt es natürlich enorme Unterschiede.

Generell gelten Aktien allerdings nicht nur als renditestarkes, sondern gleichermaßen flexibles Investment. Es steht eine große Auswahl an Aktienwerten zur Verfügung und Sie haben natürlich die Möglichkeit, die Wertpapiere jederzeit an der Börse zu veräußern. Aktien lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterscheiden, wie zum Beispiel danach, in welcher Branche die Aktiengesellschaft tätig ist oder aus welchem Land die Unternehmen stammen, in deren Aktien Sie investieren möchten. Wichtig zu erwähnen ist ebenfalls, dass Sie bei Aktien natürlich nicht nur von eventuellen Kursgewinnen profitieren, sondern zahlreiche Aktiengesellschaften schütten jährlich eine Dividende aus. Diese können Sie selbstverständlich in die Gesamtrendite mit einbeziehen, sodass Aktien auch für sicherheitsbewusste Anleger geeignet sind, wiederum unter der Voraussetzung, dass Sie einen langfristigen Anlagehorizont haben.

Klassische Fonds und ETFs für Anleger und Sparer

Nicht nur Anleger suchen in der Niedrigzinsphase nach einer renditestärkeren Alternative, sondern Gleiches gilt für Sparer. Sowohl Banksparpläne als mittlerweile auch private Renten- und Kapitallebensversicherungen werfen immer mehr Verbrauchern einfach eine zu geringe Rendite ab. Sowohl für Sparer als auch für Anleger können daher klassischen Fonds und ETFs eine echte Alternative sein. In beiden Fällen gibt es die Möglichkeit, einmalig für eine größere Summe Anteile zu kaufen, aber sowohl Fonds als auch ETFs werden mittlerweile von zahlreichen Anbietern auch im Rahmen eines Sparplans zum Kauf angeboten. Bei den klassischen Fonds gibt es wiederum mehrere Varianten, die sich danach unterscheiden, in welche Finanzprodukte die jeweilige Fondsgesellschaft das Kapital der Anleger und Sparer investiert. Im Bereich der offenen Fonds existieren insbesondere die folgenden vier Rubriken:

  • Geldmarktfonds
  • Offene Immobilienfonds
  • Rentenfonds
  • Aktienfonds

Darüber hinaus gibt es zusätzlich gemischte Fonds und einige spezielle Fonds, die zum Beispiel besonders für die Altersvorsorge geeignet sind. Bei Geldmarktfonds ist die durchschnittliche Rendite aufgrund des Investments in Geldmarktpapiere derzeit sicherlich ebenfalls nicht zufriedenstellend, während es bei Rentenfonds sehr darauf ankommt, welche Anleihen im Portfolio der Fondsgesellschaft sind. Insbesondere offene Immobilienfonds und Aktienfonds stellen von der Rendite her betrachtet eine sehr gute Option dar, wenn Anleger sich nicht mit den geringen Zinsen von Tagesgeld & Co. abfinden möchten. Wie bei Aktien, so kommt es allerdings auch bei der Wahl der Fonds und ETFs darauf an, mit einem guten Hähnchen auszuwählen oder bei Bedarf einen erfahrenen Experten zurate zu ziehen.

Investieren in Sachwerte bei immer mehr Anlegern beliebt

Eine weitere Option, mit der Sie oftmals eine deutlich bessere Rendite als beim Tagesgeld oder Festgeld in der Niedrigzinsphase erzielen können, sind die sogenannten Sachwertanlagen. Ein Investment in Sachwerte hat mehrere Vorteile, wie zum Beispiel Inflationsschutz und eine durchschnittlich gute Rendite. Allerdings sind natürlich bei dieser Form der Geldanlage auch die Risiken zu beachten, denn für nahezu alle Anlageprodukte gilt: Je höher die mögliche Rendite, desto großer ist in aller Regel auch das Risiko. Zu den klassischen Sachwertanlagen, die sich allerdings oftmals an etwas vermögendere Anleger richten, zählen insbesondere:

  • Immobilien-Investment
  • Geldanlage in Edelmetalle
  • Anlage in speziellere Sachwerte, wie zum Beispiel Luxusuhren, Oldtimer oder seltene Spirituosen

Solche Sachwertanlagen werfen zwar häufig bei einer längerfristigen Anlage gute Renditen ab, erfordern allerdings seitens des Anlegers auch eine hohe Fachkenntnis. Dies trifft zumindest unter der Voraussetzung zu, dass man die entsprechende Anlage selbst auswählt. Dennoch werden solche Sachwertanlagen gerade aufgrund der niedrigen Zinsen immer beliebter, was allerdings leider auch zu einigen zweifelhaften Angeboten am Markt führt.

Fazit: Viele Optionen für Anleger in der Niedrigzinsphase vorhanden

Für Anleger gibt es tatsächlich auch in der Niedrigzinsphase zahlreiche Optionen, wie sie ihr Kapital renditestärker, aber dennoch häufig mit einem zumindest begrenzten Risiko, investieren können. Eine sehr gute Alternative stellen beispielsweise Aktien oder auch Aktienfonds dar, denn die Wertpapiere zeichnen sich bei einem längerfristigen Horizont nicht nur durch eine sehr gute Rendite, sondern oftmals auch durch Stabilität und Sicherheit aus. Wer etwas mehr Geld zur Verfügung hat, für den sind insbesondere Sachwertanlagen sehr interessant, da diese häufig renditestark und vor allem zusätzlich mit einem Inflationsschutz ausgestattet sind. Für sehr spekulativ eingestellte Anleger gibt es ohnehin zahlreiche Alternativen, mit denen sich beispielsweise auf Kurse und Preise spekulieren lässt, wie zum Beispiel Optionen, Futures oder CFDs. Für alle Anlageformen gilt allerdings, dass eine durchschnittliche oder überdurchschnittliche Rendite meistens auf Kosten eines höheren Risikos angeboten wird, sodass sehr sicherheitsbewusste Kunden häufig trotz niedriger Zinsen bei den altbewährten und sehr sicheren Anlageformen wie Tagesgeld oder Spareinlagen bleiben.

Bild: © Depositphotos.com / SergeyNivens

Oliver Schoch

Oliver Schoch

Oliver Schoch ist gelernter Banker und seit 10 Jahren freiberuflicher Finanz-Journalist.
Oliver Schoch
11 Bewertungen, Bewertung: 9,91 von 1011 Bewertungen, Bewertung: 9,91 von 1011 Bewertungen, Bewertung: 9,91 von 1011 Bewertungen, Bewertung: 9,91 von 1011 Bewertungen, Bewertung: 9,91 von 1011 Bewertungen, Bewertung: 9,91 von 1011 Bewertungen, Bewertung: 9,91 von 1011 Bewertungen, Bewertung: 9,91 von 1011 Bewertungen, Bewertung: 9,91 von 1011 Bewertungen, Bewertung: 9,91 von 10 (11 Bewertungen, durchschnittlich: 9,91 von 10)