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Ist Bitcoin das neue Bargeld?

Ist Bitcoin das neue Bargeld?

Es ist das neue Geld in einem digitalen Zeitalter: Bitcoin, eine sogenannte Kryptowährung, deren Aufstieg in einem atemberaubenden Tempo voranschreitet. Dabei hat diese Währung überhaupt keine Relevanz für die Wirtschaft, es geht vielmehr um eine Art Schneeballsystem, bei nur zwei Dinge bislang sicher sind. Der Wert des Bitcoin hat sich seit Anfang des Jahres vervielfacht und jetzt wird die Kryptowährung sogar an der Börse auch als Terminkontrakt gehandelt. Nichts kann offensichtlich den Bitcoin aufhalten und es fällt immer schwerer, sich kritisch über diese neue Währung zu äußern. Dabei ist Kritik dringend notwendig.

Zwei Fragen

Im Zusammenhang mit dem Bitcoin stellen sich immer wieder zwei sehr wichtige Fragen: Wird der Bitcoin eines Tages das Bargeld ersetzen und sollte das Geld vom Staat oder von der privaten Hand geschaffen werden? Bei der ersten Frage geht es um die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, bei der zweiten Frage aber um die Funktion des Geldes als Bewahrer von Werten. Einfach lässt sich die erste Frage beantworten, denn die moderne digitale Technik macht es möglich, auch ohne Bargeld zu bezahlen. Gezahlt wird mit der passenden App auf dem Smartphone oder mit der Kreditkarte. Der Anteil der Barzahler hat in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen und auch die Wirtschaft könnte ohne Münzen und Scheine problemlos leben. Die zweite Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Zwar bietet der Bitcoin eine Alternative als Wertaufbewahrungsfunktion, aber ist er auch stabiler als der Dollar, der Euro, der Schweizer Franken oder das britische Pfund? Diese Frage ist interessant, aber es gibt bislang nur wenige Antworten, die überzeugen können.

Deutschland liebt das Bargeld

Es kann noch Jahre dauern, bis das Bargeld verschwunden ist und ohne Protest wird es zumindest in Deutschland nicht abgehen. Noch dominieren Münzen und Scheine, denn über 80 Prozent der Bundesbürger bezahlt nach wie vor in bar. Nur rund 30 Prozent ihrer Einkäufe zahlen die Deutschen mit der Girocard, der früheren EC-Karte. Ganz anders sieht es zum Beispiel in Schweden aus. Hier bestimmen Apps und Karten den alltäglichen Einkauf und mehr als zehn Prozent der Einwohner zahlen in Schweden mittlerweile bargeldlos. Vorherzusagen, dass sich in Ländern wie Schweden, Kanada, den Niederlanden, Österreich oder den USA Bitcoin als neue Währung schnell durchsetzen wird, ist keine große Kunst. Die Kryptowährung macht die relativ teuren Zahlungen mit der Kreditkarte überflüssig und löst andere kostenintensive Bezahlsysteme ab.

Kommt es zu einer Privatisierung der Geldwirtschaft?

Es gibt viele Argumente, die für eine Privatisierung der Geldwirtschaft sprechen, aber auch viele Argumente, die sich dagegen aussprechen. Staatlichen Währungen drohen allerlei Gefahren, zum Beispiel durch eine Inflation oder durch eine Währungsreform. Auf diese Weise kann in Krisenzeiten so über Nacht ein komplettes Wirtschaftssystem komplett ruiniert werden. Das kann aber auch passieren, wenn es sich um ein privates Geldsystem handelt. Es entstehen beispielsweise künstlich erzeugte Blasen, die dann in einem gewaltigen Crash enden. Um das zu verhindern, hat sich das staatliche Geldmonopol durchgesetzt. Viele fragen sich allerdings, warum sollten die Bürger zu einem staatlichen Geldsystem mehr Vertrauen haben als zu einem privaten System? Das staatliche System kontrollieren Politiker, das private System mit einer Kryptowährung wie dem Bitcoin ist dagegen nahezu völlig anonym und vor allem sehr intransparent.

Der Bitcoin als große Gefahr

Für den Bitcoin gibt es weder staatliche Kontrollen noch Regulierungen. Was aber noch viel bedenklicher ist: Für die Geldausgabe der digitalen Währung gibt es keinerlei Garantien. Die Währung kann unendlich vermehrt werden, und zwar ohne Eigenkapital oder andere Sicherheiten. Natürlich gibt es zum Thema Bitcoin ein Versprechen, dass das Angebot auf 21 Millionen Einheiten begrenzt ist. Aber wer kann schon sagen, ob dieses Versprechen auch wirklich eingehalten wird. Wer glaubt, dass die als so sicher beschriebene Blockchain-Technologie wirklich gegen Cyberkriminalität schützt, der ist naiv. Sind die Hersteller der neuen Währung bereit, viel Geld in die Sicherheit zu investieren? Es ist der große Erfolg des Bitcoin, der ihn für Kriminelle aller Art so interessant macht. Die Hacker sitzen längst in den Startlöchern, um das System zu manipulieren, zu hacken und letztendlich für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Noch mehr Risiken

In einer nicht mehr fernen Zukunft rufen die jetzt stetig steigenden Bitcoin-Kurse andere Kryptowährungen auf den Plan. Diese Alternativen buhlen zusammen mit Bitcoin um die Kunden, die auf der Suche nach einer sicheren Wertaufbewahrung sind. Ist das der Fall, dann ist es mit der Unvermehrbarkeit des Digitalgeldes vorbei und es droht eine Inflation, eine Geldentwertung. Sollte das passieren, muss es jemanden geben, der die Klagen derjenigen einreicht, die allzu leichtgläubig waren. Wohin mit den Klagen in einem rechtsfreien Raum, in dem die Hersteller der Kryptowährung sitzen? Dieser Raum ist bekanntermaßen sehr weit von Mitteleuropa entfernt. Wie heißt es doch so schön: Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter.

Nur für Spekulanten?

Es sind die Spekulanten, die mit dem Bitcoin ihren Spaß haben. Für einen normalen Anleger, der sein Geld in sicheren Händen wissen möchte, ist der Bitcoin keine gute Wahl. Bis jetzt gibt es keine sachlichen und rationalen Argumente, warum der Wechselkurs des Bitcoin zum Euro oder zu irgendeiner anderen Währung immer weiter steigen könnte. Ebenso wenig gibt es Argumente die dafür sprechen, dass der Bitcoin in der nahen Zukunft immer wertvoller wird. Sicherlich ist es weiter erlaubt, auf die steigenden Kurse des Bitcoin zu wetten. Es wird auch weiterhin viele Naive geben, die dazu bereit sind, ihr ganzes Geld in eine seltsame Kryptowährung zu stecken, die intransparent ist, nicht reguliert wird und außerdem noch anonym ist. Bitcoin ist ein Schneeballsystem, in dem der letzte Besitzer grundsätzlich derjenige ist, der mit Sicherheit verliert. Profitieren können nur die Hintermänner, die den Bitcoin einmal unter die Leute gebracht haben.

Fazit

Der Traum vom richtig großen Geld mit dem Bitcoin erinnert an eine Seifenblase. Sie ist zunächst sehr klein, aber sie schillert verheißungsvoll bunt. Dann wird die Seifenblase immer größer, sie schillert noch bunter und noch verführerischer, aber am Ende gibt es einen großen Knall und die ganze Herrlichkeit löst sich in Luft auf. Ein ähnliches Schicksal droht auch dem Bitcoin. Noch ist alles wunderbar und schillernd, aber je größer die Blase letztendlich ist, umso lauter ist später dann auch der Knall.

Bild: @ depositphotos.com / 3dart

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Ulrike Dietz
Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: u.dietz@tixio.de