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Touristen 2017 – Fluch oder Segen?

Touristen 2017 – Fluch oder Segen?

Feriengäste sind nicht immer auch gerne gesehene Gäste. Wenn sie in zu großen Mengen auftreten, dann kommt das bei den Einheimischen nicht so gut an, sie gehen auf die Barrikaden und protestieren. An einigen Orten in Europa sind bereits Maßnahmen getroffen worden, die den Ansturm der Urlauber kontrollieren und eindämmen. Nicht nur in Amsterdam gibt es Probleme, auch in Barcelona, in Venedig, auf Mallorca und jetzt auch in Island haben die Einwohner die Touristen satt. Sie möchten gerne auf das Geld verzichten, um endlich wieder in Ruhe leben zu können.

Die Preise steigen

Billige Hotels, billige Flüge und Unternehmen wie Airbnb machen es heute möglich, dass jeder übers Wochenende auf Mallorca, in Amsterdam oder in Barcelona Party machen kann. Für diejenigen, die gerne verreisen und ein nur knappes Budget haben, ist das fantastisch, für die Menschen in den Partyhochburgen hingegen ist es eine Katastrophe. Die Gäste machen nicht nur jede Menge Lärm und Dreck, sie lassen auch die Preise kräftig in die Höhe schnellen. Das Essen in den Restaurants kostet plötzlich ein Vielfaches mehr, das Gleiche gilt auch für die Drinks in den Bars oder Clubs. Die Mieten steigen und das wird in Zeiten knappen Wohnraums in den Ballungsgebieten mehr und mehr zu einem großen Problem. Verwunderlich ist es daher nicht, wenn die Einwohner auf die Gäste mehr als sauer sind.

Fremd in der eigenen Stadt

Mit knapp über 850.000 Einwohnern gehört Amsterdam nicht zu den Riesen unter den Hauptstädten Europas. Wenn in jedem Jahr aber 18 Millionen Besucher in die niederländische Stadt einfallen, dann wird es eng. Der Tourismus hat Amsterdam über die schwere Zeit der Wirtschaftskrise geholfen, mittlerweile ist jedoch ein kritischer Punkt erreicht. Die Einwohner von Amsterdam sehen den Tourismus mehr als Nachteil, vor allem die Bewohner der Altstadt fühlen sich heute fremd in der eigenen Stadt. Die meisten Besucher, die nach Amsterdam kommen wollen feiern und sich besaufen. Die Stadtväter haben der Feierlaune jetzt einen Riegel vorgeschoben, in dem sie die sogenannten Bier-Bikes oder Thekenfahrräder verboten haben. Außerdem wurde die Bettensteuer angehoben und es gibt deutlich strengere Vorschriften, wenn es um die Vermietung von Wohnungen über Airbnb geht. Zudem gibt es vorerst keine neuen Hotels und Läden in der Innenstadt, die Souvenirs verkaufen.

Der Fluch der Kreuzfahrttouristen

Kreuzfahrtschiffe gelten als eine der größten Dreckschleudern, die auf den Weltmeeren unterwegs sind, trotzdem ist die Lust an einer Kreuzfahrt ungebrochen. Das mag daran liegen, dass die Reise mit einem Traumschiff kein Vermögen mehr kostet. Einige Städte in Europa wünschen sich, dass die Kreuzfahrten teurer wären, denn dann müssten sie nicht mit Horden von Tagestouristen leben. Dubrovnik gehört zu diesen Städten, denn im vergangenen Jahr haben 529 Schiffe in der schönen Hafenstadt festgemacht und knapp 800.000 Menschen sind in Dubrovnik eingefallen. 10.000 Besucher treten sich in der Hochsaison in der historischen Altstadt auf die Füße. Auch in Venedig werden die Kreuzfahrtschiffe gerne gesehen, da sie Liegegebühren in die Stadt bringen. Die Venezianer wollen die schwimmenden Luxushotels aber nicht mehr haben, da die Statik vieler Bauwerke zerstören wird. Die weltberühmte Piazza San Marco soll daher ab 2020 gesperrt werden.

Auch Island kämpft

Auch in Island haben die Touristen geholfen, die Wirtschaftskrise zu meistern. Die Isländer stört aber das zunehmende Ungleichgewicht, denn es gibt nur 330.000 Menschen auf der Insel, aber jedes Jahr 1,7 Millionen Gäste. Die Urlauber machen die verschlafene Hauptstadt Reykjavík zur Partymeile, die Mieten sowie die Preise explodieren und Attraktionen wie die Blaue Lagune haben mittlerweile bis zu 1,3 Millionen Besucher. Entspannen müssen sich die Isländer jetzt woanders, denn sie haben immer weniger Lust, ihre Heimat mit Touristen zu teilen, die weder Rücksicht auf die Einheimischen noch auf die Natur nehmen.

Großer Ärger auf Mallorca

Zwei Millionen Besucher hatte die Baleareninsel Mallorca im vergangenen Jahr. Zwischen Juni und August lag die Auslastung der Hotels und Pensionen bei 92 Prozent und der spanische Staat verdient jedes Jahr mit dem Tourismus50 Milliarden Euro. Die Einwohner von Mallorca wollen von den hohen Einnahmen des Staates nichts mehr wissen, sie wollen einfach nur ihre Ruhe haben. Touristen sind Terroristen, steht auf Plakaten und auch, dass Tourismus die Stadt tötet. Die Anwohner haben Angst vor steigenden Mieten, vor einer nicht mehr funktionierenden Infrastruktur und sie wollen einfach keine grölenden Betrunkenen, die ihnen die Nachtruhe rauben und sich vor ihrer Haustür erbrechen. Noch protestieren die Mallorquiner mit Plakaten am Strand, aber bis hin zu Straßenschlachten, wie es sie bereits in Barcelona gab, ist es nur ein kleiner Schritt.

Probleme für die Umwelt

Der Massentourismus in Europa stellt auch die Umwelt auf eine harte Probe. So beklagt die Umweltschutzorganisation GOB auf Mallorca große Probleme, wenn es um den Müll und die Verschmutzung der Umwelt geht. In der Hauptsaison landet alle 80 Sekunden ein Flugzeug auf der Mittelmeerinsel und in den Sommermonaten sind bis zu 90.000 Leihwagen auf Mallorca unterwegs. Überall stehen stinkende Müllcontainer, die überquellen und in der Sommerhitze können die Anwohner die Fenster nicht öffnen. Alleine im Juni dieses Jahres hat der Müll mit knapp 21.000 Tonnen zwölf Prozent über der Menge von 2016 gelegen. Ratten sind unterwegs und die Stadtreinigung schafft es nicht mehr, den Müllbergen Herr zu werden. Während die Berge an Müll stetig wachsen, verschwinden allmählich die Strände. Am Strand von Es Trenc verschwinden jedes Jahr 19 Tonnen Sand, am Ballermann sind es sogar 82 Tonnen. Die Touristen wollen Traumstrände und daher werden Algen und Seegras weggebaggert und mit ihnen leider auch der Sand. Auch auf Mallorca haben sich die Gesetze geändert. Es gibt vorerst keine neuen Hotels und wer eine Ferienwohnung hat, darf ein Jahr lang nicht an Touristen vermieten. Tut er es trotzdem und wird erwischt, dann bedeutet das eine Strafe von mehreren Zehntausend Euro.

Fazit

Städte wie Amsterdam oder Barcelona sind nicht so sehr auf Touristen angewiesen wie die Ferieninsel Mallorca. Die Einwohner der Insel leben gut vom Tourismus, aber sie können sich nicht mit den Menschenmassen arrangieren, die jedes Jahr auf der Insel einfallen. Es ist eine gute Idee, neue Gesetze zu schaffen, die den ausufernden Tourismus eindämmen, bevor es endgültig zu einem Kollaps kommt.

Bild: @ depositphotos.com / Rawpixel

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: u.dietz@tixio.de