Familie

Trennung trotz Kindern: Den richtigen Umgang finden

Trennung trotz Kindern: Den richtigen Umgang finden

Keine Frage: Eine Trennung ist nie leicht für die Betroffenen. Obwohl heute eine Großzahl aller Ehen wieder aufgelöst wird, gehören Trennung und Scheidung immer noch zum gesellschaftlichen Tabuthema. Kein Wunder, dass Paare, die beschlossen haben sich zu trennen, in vielerlei Hinsicht, Unsicherheit empfinden. Besonders schwierig wird es dann, wenn Kinder im Spiel sind:

Nicht nur müssen sich viele in Trennung lebende Eltern den Vorwurf gefallen lassen, ihre Trennung wäre gegenüber ihren Kindern rücksichtslos. Sie wissen auch selbst nicht, wie sie richtig mit der Situation umgehen sollen.

Mit den folgenden Tipps kann die herausfordernde Situation etwas erleichtert werden.

Der erste schwierige Schritt: Die Trennung verkünden

Das erste Gespräch über die Trennung ist wohl das schwierigste. Kinder haben ein gutes Gespür für Spannungen in ihrer Umgebung. Es ist jedoch noch einmal etwas ganz Anderes, die schlechte Nachricht zu hören.

Es ist wichtig, das Kind rechtzeitig über die Trennung zu informieren. Gehen Sie jedoch sicher, dass die Entscheidung auch endgültig und unveränderlich getroffen ist! Rückzieher in so einer wichtigen Frage verunsichern das Kind – es verliert Vertrauen in Ihre Aussagen.

Stattdessen überbringen Sie die Neuigkeiten, sofern dies möglich ist, zusammen mit Ihrem Partner. Formulieren Sie die Botschaft in kindgerechter Wortwahl und mit viel Empathie:

Schauen Sie, wie Ihr Kind reagiert und lassen Sie zu, dass Ihr Kind seine oder ihre Emotionen ausleben kann. Dies ist auch der richtige Moment, um dem Kind eine möglichst gute Vorstellung dafür zu geben, wie es durch die Trennung betroffen sein wird, nehmen Sie sich die Zeit und schildern Sie die bevorstehenden Veränderungen (zum Beispiel den Auszug des Partners). Betonen Sie aber auch diejenigen Aspekte des Alltags, die sich nicht ändern werden (zum Beispiel bestimmte regelmäßige Ausflüge zwischen Vater und Kind oder Mutter und Kind).

Rechtliche Grundlagen: die Ausgangsbasis für ein gutes Miteinander

So unschön das Ganze auch ist, die rechtliche Klärung der Situation muss an erster Stelle stehen. Damit beugen Sie Konflikten und Diskussionen im späteren Verlauf der geteilten Elternschaft vor und schaffen für alle Parteien die notwendige Klarheit.

Sind Sie und Ihr Partner verheiratet gewesen, verfügen Sie über ein gemeinsames Sorgerecht, das auch nach der Scheidung bestehen bleibt. Bei unverheirateten Paaren wird der Mutter das alleinige Sorgerecht zugesprochen, so sieht es der Gesetzgeber vor.

Dies können die Partner umgehen, wenn ein gemeinsames Sorgerecht vor oder nach der Trennung beantragt und offiziell bestätigt, d.h. urkundlich beglaubigt wird. Grundsätzlich hat sowohl das Kind ein Recht auf den Umgang mit jedem Elternteil, als auch jeder biologische Elternteil ein Umgangsrecht gegenüber dem Kind – es sei denn, dies wurde vom Gericht explizit anders beschlossen.

Weiterhin hat jedes Kind einen rechtlichen Anspruch auf finanziellen Unterhalt des Elternteils, in dessen Haushalt es nicht lebt, sofern die finanziellen Mittel vorhanden sind. Ansonsten gilt es, dies mithilfe von finanzieller Unterstützung, etwa in Form von Sozialleistungen, wie dem Unterhaltsvorschuss, zu regeln.

Rechte und Pflichten aushandeln: der Feinschliff

Abgesehen von den festgelegten rechtlichen Grundsatzregelungen können die getrennten Partner vieles aushandeln. Sorgerecht, Aufenthaltsbestimmungsrecht und Umgangsrecht haben zwar rechtliche Ausgangssituationen, können allerdings auf Antrag der Eltern und unter Mitspracherecht des Kindes angepasst werden.

Hier gilt grundsätzlich:

Eine Einigung zwischen den Parteien ist stets sinnvoller als eine erzwungene, formelle Klärung vor Gericht. Nicht nur kommt hier nämlich ein komplexes und unter Umständen langwieriges Verfahren auf die Partner zu – auch laufen die Betroffenen Gefahr, dass ein nicht zufriedenstellendes Ergebnis erzielt wird und viele zusätzliche Konflikte entstehen, die den Umgang für die Zukunft nicht gerade erleichtern.

Investieren Sie daher die Zeit in ausreichend Gespräche, um Besuchshäufigkeit, Unterhaltshöhe und weitere Rechte und Pflichten sorgfältig auszuhandeln. So schwer es auch fällt: Die Verhandlungen über jene Aspekte sind kein Forum für ein Trennungsgespräch oder sogar für Rache. Falls Ihre Emotionen bei den Verhandlungen so sehr hochkochen, dass eine sachliche Besprechung nicht möglich ist, versuchen Sie stattdessen, noch einmal gemeinsam mit Ihrem Partner, die Gelegenheit zu erhalten, die Trennung zu besprechen und offene Fragen zu klären, bevor es weitergeht.

Stabilität schaffen: Unsicherheit in einer unsicheren Situation
Sind die Rahmenbedingungen geklärt und festgehalten, haben Sie und Ihr ehemaliger Partner eine wertvolle Grundlage für den zukünftigen gemeinsamen Umgang festgelegt. Bedenken Sie dennoch, dass die Trennung und die Auflösung des gemeinsamen Lebens, eine Situation der absoluten Unsicherheit für ihr Kind darstellt.

Aus Sicht des Kindes, löst sich das Zuhause auf – ein äußerst bedrohliches Szenario für junge Heranwachsende und kleine Kinder. Kinder, die durch diese Bedrohung traumatisiert werden, entwickeln häufig dauerhafte Verlustängste und die Unfähigkeit, anderen Menschen zu vertrauen.

Dies muss aber nicht sein:

Schaffen Sie Ihrem Kind ein Zuhause im neuen Heim und beschreiben Sie die neue Situation transparent. Fragen Sie nach der Stimmung und den Bedürfnissen Ihres Kindes und finden Sie so heraus, was es braucht, um sich (wieder) heimisch zu fühlen.

Routinen und Verlässlichkeit schaffen Stabilität! Sollten sich wichtige Gewohnheiten durch die Trennung aufgelöst oder verändert haben, schaffen Sie neue. Zur Stabilisierung des Kindes gehört es dabei auch, den Kontakt zum ehemaligen Partner jederzeit zu gewährleisten und diesen nicht einschränken oder kontrollieren zu wollen. Eine natürliche Kommunikation zwischen dem Kind und dem verzogenen Partner kann den Trennungsschmerz lindern und die Situation für das Kind leichter machen.

Schuldfragen aufgreifen und Gespräche führen

Kinder suchen die Schuld für die Trennung ihrer Eltern häufig bei sich selbst. Dies ergibt sich aus ihrer Sicht auf die Welt, die sie noch wenig differenziert aus der eigenen Perspektive wahrnehmen. Seien Sie sich dieser Problematik bewusst und erläutern Sie Ihrem Kind in gut verständlichen Worten die Gründe für die Trennung – natürlich ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen.

Es ist dabei eher hinderlich, Kinder mit oberflächlichen Erklärungen abzuspeisen. Geben Sie jedoch Acht darauf, auch bei einem Fehlverhalten des jeweils anderen Elternteils dem Kind gegenüber Ihrem Partner keine Schuld zuzuweisen: Selbst wenn Ihr Partner Sie beispielsweise betrogen hat und die Beziehung dadurch ein Ende nimmt, so sollten Sie eher die dahinter stehenden Gründe kommunizieren, etwa das Auseinanderleben von Ihnen und Ihrem Partner.

Nehmen Sie sich die Zeit, als Ansprechpartner für Ihr Kind zu fungieren, auch wenn Gespräche über die Trennung nicht leicht sind. Es ist schließlich wichtig, die Trennung nicht zu tabuisieren oder zu dramatisieren. Rufen Sie sich selbst in Erinnerung, weshalb es zu diesem Schritt gekommen ist! Vertrauen Sie Ihrer eigene Entscheidung und gehen Sie davon aus, dass es das Beste für Sie selbst, das Verhältnis zum anderen Elternteil und Ihre kleine Familie war.

Die Eltern-Einheit bleibt: Absprachen treffen und Konflikte lösen

Eine weitere Gefahr bei einer Trennung mit Kind ist, dass das Kind zwischen die Fronten gerät und das Gefühl hat, sich auf die eine oder andere Seite schlagen zu müssen. Dies tritt immer dann auf, wenn die Partner die Situation unterschiedlich darstellen und das Kind sich entscheiden muss, wem es glauben soll.

Es ist daher wichtig, dass sich beide Partner darauf einigen, was und wie sie kommunizieren und wie sie bestimmte, wahrscheinlich auftretende Fragen beantworten: Was sind die Gründe für die Trennung? Wie ist das Verhältnis zwischen den Elternteilen? Wie wird sich der Alltag aller Betroffener verändern? Es lohnt sich, hier eine klare Absprache zu treffen und sich daran zu halten, um Missverständnisse, emotionale Verwirrung und innere Zerrissenheit bei Ihrem Kind zu vermeiden. Treffen Sie am besten auch gleich die Abmachung, dass Konflikte nie vor dem Kind oder unter Einbeziehung des Kindes gelöst werden.

Streitigkeiten und Diskussionen sollten Sie unter vier Augen, oder auch mithilfe eines Mediators, führen, aber beispielsweise nie bei einer Abhol- oder Übergabesituation, in der das Kind ihre Spannungen miterleben kann.

Schutz vor den eigenen Gefühlen bieten: Das Kind ist kein emotionaler Anker

Denken Sie daran: Ein Kind hat keine starke Schulter zum Anlehnen. Eine weitere Maßnahme, die Sie ergreifen können, um Ihr Kind zu schützen, ist daher, Ihren Emotionen lieber an anderer Stelle freien Lauf zu lassen. Zwar ist es nicht hilfreich, Gefühlskälte und Gleichgültigkeit vorzutäuschen. Es wird Ihr Kind allerdings verunsichern, wenn Sie ihm tränenreich erläutern, weshalb das Leben nun schwerer geworden ist.

Nutzen Sie stattdessen die Chance, sich guten Freunden oder Verwandten zu öffnen, und wenden Sie sich an Leidensgenossen, die ähnliche Situationen bewältigen müssen. Hier können Sie sich verstanden fühlen und sich wertvolle Ratschläge für den praktischen Umgang mit auftretenden Problemen einholen, um Kraft zu tanken. Diese Kraft wird Ihnen dabei helfen, in schwierigen Situationen die Fassung zu wahren und Ihrem Kind die stabile Umgebung zu ermöglichen, die ihm oder ihr bei der Bewältigung der Veränderungen helfen wird.

Die eigene Schwäche anerkennen – und Hilfe in Anspruch nehmen

Gehen Sie nicht zu streng mit sich selbst ins Gericht. Die wenigstens von uns haben vielseitige Erfahrungen damit, wie man eine Trennung mit Kind gut gestaltet. Niemand ist perfekt. Momente der Schwäche und der Unsicherheit sind selbstverständlich in einer solch schwierigen Situation. Es ist daher von besonders großer Bedeutung, immer auch ehrlich mit sich selbst zu sein. Wenn Sie erkennen, dass die Situation für Sie zu einer zu großen Belastung wird, die Ihre seelische oder körperliche Gesundheit gefährdet, können Sie auf vielseitige Hilfsangebote zurückgreifen: Paarberatungen, Familiencoachings, Psychologen und Kindertherapeuten stehen Ihnen zur Verfügung. Sie können Ihnen nicht nur Ratschläge für schwierige Situationen geben, sondern auch psychologische Begleitung anbieten. Solche Schritte können Ihnen dabei helfen, die Stärke zu bewahren oder zurückzuerlangen.

Fazit: Bleiben Sie hoffnungsvoll!

Die genannten Tipps können Sie dabei unterstützen, die Trennung von Ihrem Partner auch mit Kind gut zu bewältigen. Zusammenfassend kommt es vor allem auf eine transparente und liebevolle Kommunikation an: Geben Sie Ihrem Kind die Informationen, die es braucht, um in all den Veränderungen, die durch die Trennung hervorgerufen werden, Stabilität zu wahren. Gleichzeitig ist es wichtig, für eigene Emotionen und Konflikte Verantwortung zu übernehmen und diese nicht willkürlich vor dem Kind auszuleben. Und zu guter Letzt: Bleiben Sie positiv und hoffnungsvoll! Sie haben eine mutige Entscheidung getroffen, für die Sie oder Ihr Partner Gründe hatte/n.

Ihr Kind profitiert von einer konfliktfreien Umgebung und einem harmonischen Zuhause. Haben Sie daher Vertrauen in die Entscheidung zur Trennung, sobald diese fest von beiden Elternteilen beschlossen ist. Mit ihr haben Sie den Grundstein für eine Zukunft gelegt, die – so lang ein guter Umgang mit dem Ex-Partner gewährleistet bleibt – eine bessere Situation für alle Beteiligten bedeuten kann.

Bild: @ depositphotos.com / darknula

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