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#Yahoo – Wurden Mailkonten für den Geheimdienst durchsucht?

#Yahoo – Wurden Mailkonten für den Geheimdienst durchsucht?

Um Yahoo steht es schon seit einigen Jahren nicht sonderlich gut, denn das Unternehmen ist wirtschaftlich schwer angeschlagen. Als ob das noch nicht ausreichen würde, kam jetzt auch noch eine Geschichte ans Licht, die weitaus schlimmer als die wirtschaftliche Talfahrt ist. Angeblich haben Hacker schon vor zwei Jahren auf die Mailkonten von Millionen Yahoo-Nutzern zugegriffen, aber wie sich jetzt herausgestellt hat, waren nicht nur gewöhnliche kriminelle Hacker am Werk, es war Yahoo selbst, und zwar im Auftrag der US-Geheimdienste.

Informationen wurden durchsucht

500 Millionen Mails von Yahoo-Kunden wurden gehackt. Das ist jedoch nur ein Teil der Geschichte, Fakt ist, dass diese Mails und die Daten nicht nur kriminellen Elementen in die Hände gefallen sind, Yahoo hat die Mails seiner Kunden auch heimlich für den Geheimdienst gescannt. Um die Mails ganz gezielt nach bestimmten Informationen durchsuchen zu können, wurde seit 2015 ein eigens dafür entwickeltes Programm genutzt, die dazu passenden Stichwörter wurden vom US-Geheimdienst vorgegeben. Das Brisante an der ganzen Sache ist jedoch, dass die Chefin des Unternehmens Marissa Mayer eingeweiht war, mehr noch, sie hinterging für diese Aktion sogar ihren eigenen Sicherheitschef.

Wonach wurde bei Yahoo gesucht?

Das FBI und die CIA fragten an und Yahoo hat brav geliefert und die Mails der Kunden gescannt – so haben es zumindest ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens geschildert. Nach welchen Informationen aber genau gesucht wurde, darüber ist bis heute nichts bekannt. Es könnte sich um die Inhalte der Mails gehandelt haben oder auch nur um die Anhänge, unbekannt ist zudem, ob die Geheimdienste nicht auch andere Mail-Provider darum gebeten haben, die Mails der Kunden zu durchsuchen. Als herauskam, was Yahoo mit den Mails seiner Kunden anstellt, sahen sich auch Microsoft, Twitter und Google gezwungen, an die Öffentlichkeit zu gehen, um zu erklären, dass sie die Nachrichten der Nutzer nicht durchsucht haben. Google betonte außerdem, dass es keine Anfrage gegeben habe, weder vom FBI noch von der CIA. Auch eine speziell entwickelte Software wurde den Providern nach eigenen Angaben nicht angeboten.

Was macht Facebook?

Das größte soziale Netzwerk der Welt erklärte ebenfalls, dass es keine Anfrage des Geheimdienstes gegeben hat, aber diese Versicherung klingt ein wenig vage, zumal Alex Stamos, der Sicherheitschef von Facebook, bis 2015 bei Yahoo angestellt war. Stamos soll seinen Posten aufgegeben haben, als er davon erfahren hat, dass seine Chefin hinter seinem Rücken die Durchsuchung der Mails angeordnet hat, ohne ihn vorher zu informieren. Als besonders verwerflich war nach Angaben von Alex Stamos, dass Marissa Mayer das Mail-Team die Software für die Überwachung zuerst programmieren und dann auch noch installieren ließ. Wenige Woche nach der Installation entdeckte das Sicherheits-Team dann, was sie da programmiert und installiert haben, und es wurde Alarm geschlagen, da man der Meinung war, es handele sich um professionelle Hacker. Zum großen Knall kam es jedoch, als sich herausgestellt hat, dass das eigene Programm nur dem Zweck diente, die Nutzer im Auftrag von CIA und FBI auszuspionieren.

Jetzt wird es ernst

Bis heute gibt es von der Yahoo-Chefin Marissa Mayer keine eindeutige Stellungnahme, sondern nur einige Floskeln, die nichts aussagen, allerdings wird immer wieder gerne betont, dass man sich an die geltenden Gesetze gehalten hat. Das amerikanische Unternehmen ist schon seit einigen Jahren auf der Suche nach einem passenden Geschäftsmodell, bislang allerdings ohne den gewünschten Erfolg. Eigentlich sollte die Sparte Internetgeschäft an Verizon verkauft werden, doch schon als bekannt wurde, dass 500 Millionen Nutzerkonten gehackt worden sind, waren die Verantwortlichen bei Verizon nicht sonderlich begeistert. Die neuen Enthüllungen in diesem Skandal werden die geplante Übernahme nicht gerade attraktiver machen. Es bleibt abzuwarten, ob Verizon jetzt überhaupt noch an einer Zusammenarbeit interessiert ist.

Bild: © Depositphotos.com / claudiodivizia

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: u.dietz@tixio.de