Finanzen

Warum deutsche Sparer neidisch nach Amerika blicken

Warum deutsche Sparer neidisch nach Amerika blicken

Das Jahr 2017 war ein sehr trauriges Jahr für deutsche Sparer. Sie sitzen weiterhin auf dem Trocknen, sie bekommen nichts für ihr Geld und wenn sie in die USA schauen, dann werden sie traurig, wütend und auch neidisch. Während sich die Zinsen in Deutschland keinen Millimeter bewegen, steigen sie in den Vereinigten Staaten stetig an. Der Grund für diese ungleiche Behandlung der deutschen und der amerikanischen Sparer ist: Deutsche Sparer leiden erst jetzt, zehn Jahr später, unter den verheerenden Folgen der weltweiten Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009.

Was haben die USA richtig gemacht?

Als mit der Pleite der Lehman Bank die Finanzkrise begann, wussten die Amerikaner sofort, was zu tun ist. Die US-Notenbank senkte sofort die Zinsen und fing an, den Markt mit Geld zu fluten. Was taten die Europäer? Gar nichts und als sie begannen, zu reagieren, war schon alles zu spät. Diese Verzögerung hat bis heute Auswirkungen auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und auf die deutschen Sparer. Die Verzögerung hat sowohl das Festgeldkonto wie auch das Tagesgeldkonto unattraktiv gemacht. Zur desaströsen „Leistung“ der EZB kam dann auch noch die etwas dogmatische „Schwarze Null“ des schwäbischen Finanzministers Wolfgang Schäuble. Sie hat nichts dazu beigetragen, dass Europa die Amerikaner in Zeiten der Krise hätte überholen können. Aber wie sehen die Zinsen Ende des Jahres 2017 aus? Wie groß ist die Hoffnung, dass der deutsche Sparer vielleicht doch wieder etwas für sein Geld bekommt?

Die attraktiven amerikanischen Anleihen

Die Notenbank in den USA hat einen Kurs eingeschlagen, von dem sie so schnell nicht mehr abweichen wird. Im Rahmen der Sitzung vom 13. Dezember haben die Verantwortlichen beschlossen, die Leitzinsen noch einmal um 25 Basispunkte anzuheben. Das heißt, die Zinsen stehen jetzt zwischen 1,25 Prozent und 1,5 Prozent. Aber das ist noch lange nicht alles, denn die amerikanische Notenbank hat bestätigt, dass sie die Zinsen im kommenden Jahr noch dreimal anheben möchte. Die Fed baut gleichzeitig ihre 4,4 Billionen schwere Bilanzsumme nach und nach durch den Verkauf von Hypotheken- und Staatsanleihen ab. Der Grund für diese Aktion: Dieser zusätzliche Druck nach oben soll den Renditen den ordentlichen Schwung geben. Die Zinsen für die zweijährigen Anleihen, die immer ganz besonders stark auf Veränderungen bei den Leitzinsen reagieren, sollen nach oben schießen und sich einer Marke von zwei Prozent nähern.

Wie wirkt sich die Steuerreform aus?

Die von Präsident Trump beschlossene Steuerreform sorgt in den USA für einen weiteren Aufwärtsruck. Im Umfeld dieser Reform sinkt die steuerliche Last für Unternehmen von aktuell 35 auf nur noch 21 Prozent. Leider kommt die Steuerreform nicht allen Amerikanern im gleichen Maße zugute. Von der Reform der Steuern profitieren nur diejenigen, die ein Einkommen von mindestens 50.000 Dollar haben. Daher sind Experten der Meinung, dass die Reform die Wirtschaft nicht so sehr ankurbeln wird, wie erhofft und gewünscht. Würden die mittleren und die kleinen Einkommen stärker entlastet, dann hätte das nach Ansicht von Wirtschaftsexperten eine weitaus größere Wirkung. So wird die aktuelle Steuerreform die amerikanische Wirtschaft sehr wahrscheinlich nur um magere 0,3 Prozent ankurbeln und das ist lediglich ein kleines, schnell verglimmendes Strohfeuer. Die Notenbank spricht sich in ihrer Prognose für ein wirtschaftliches Wachstum 2018 von maximal 2,5 Prozent aus, für das Jahr 2019 sieht die Fed ein Wachstum von nur noch 2,1 Prozent.

Kaum Zinsen für Bundesanleihen

Deutsche Sparer müssen unter der verfehlten Geldpolitik der EZB leiden, denn für bundesdeutsche Anleihen gibt es keine vernünftigen Zinsen mehr. Während sich die amerikanischen Anleihen immer mehr erholen, bleibt es für die Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei mageren 0,3 Prozent. Deutsche Sparer würden sich sehr freuen, wenn die Zinsen auch hierzulande bei 2,4 Prozent liegen, aber diesen Gefallen erweist ihnen Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank nicht. Noch schlimmer ist vielleicht, dass die Zeiten der extrem niedrigen Zinsen noch lange nicht vorbei sind. Draghi hat zwar verlauten lassen, dass das Anleihenkaufprogramm ab Januar des nächsten Jahres auf nur noch 30 Milliarden Euro im Monat reduziert wird. Es wird aber im September 2018 nicht zu Ende gehen und damit ist auch eine Erhöhung der Zinsen in sehr weite Ferne gerückt. Deutsche Sparer müssen sich also auch im neuen Jahr nach einer Anlageform mit attraktiven Zinsen umschauen.

Welche Anlagen bieten sich an?

Die deutschen Anleger schauen neidisch über den großen Teich und viele würden gerne ein paar Zinsen mehr bekommen, indem sie Anleihen aus den USA kaufen. Das ist zwar möglich, aber wer sich zu diesem Schritt entscheidet, der sollte das Währungsrisiko dabei nicht übersehen. Der Dollar könnte gegenüber dem Euro weit nach unten fallen und dann entpuppt sich die tolle Geldanlage in Amerika plötzlich als teurer Flop. Eine Alternative ist zum Beispiel eine Nachranganleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren der IKB. Diese Papiere haben zwar ein etwas höheres Risiko als klassische Anleihen, dafür bekommen die Anleger aber auch einen Zinssatz von sagenhaften vier Prozent. Anleger, die etwas mutiger sind, sollten in sogenannte Knock-outs investieren, die ebenfalls gute Zinsen bieten, aber nicht ohne Risiko zu haben sind.

Was ist den Deutschen lieber?

Deutsche Sparer sind gespalten, wenn es um die fragwürdige Geldpolitik der EZB geht. Die einen haben es einfach satt, dass sie für ihr Erspartes keine Zinsen mehr bekommen. Die anderen sehen den Nebeneffekt der Nullzinspolitik und freuen sich über die niedrigen Zinsen, wenn sie einen Kredit aufnehmen. Viele Anleger sind jedoch zurecht sauer, wenn sie Richtung Brüssel oder Berlin blicken, denn hier wird auf Kosten der Sparer der Haushalt saniert. Ebenso viele ärgern sich auch darüber, dass die Nullzinspolitik das Werk des Italieners Draghi ist. Er als Patriot möchte wohl verhindern, dass sein Heimatland Italien noch Zinsen für die Staatsverschuldung von mehr als zwei Billionen Euro zahlen muss.

Fazit

Wie sich die Geldpolitik in den USA entwickelt, das kann heute keiner vorhersagen. Die Steuerreform ist vielleicht der erste Schritt in eine neue Zeit, den auch die Europäer mitgehen sollten. Allerdings ist das ein frommer Wunsch, denn in Europa lassen die Veränderungen, die so dringend gebraucht werden, noch lange auf sich warten. Deutsche Sparer müssen sich also noch weiter gedulden.

Bild: @ depositphotos.com / Syda_Productions

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.
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