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Tuberkulose – eine vergessene Krankheit ist wieder auf dem Vormarsch

Tuberkulose – eine vergessene Krankheit ist wieder auf dem Vormarsch

Eine Impfung gegen Tuberkulose gibt es in Deutschland seit 1998 nicht mehr, da es zu wenig Erkrankte gibt. Die Infektionskrankheit galt als besiegt und war kein Thema mehr, aber das hat sich jetzt dramatisch geändert, denn die Lungenerkrankung ist wieder da. In nur einem Jahr stieg die Zahl der Neuerkrankungen von 4500 im Jahre 2014 auf 5850 ein Jahr später. Die Ursache für die stetig steigenden Zahlen ist die Migrationswelle, denn viele Asylanten bringen die Tuberkulose aus ihren Heimatländern mit nach Deutschland.

Bakterien sind der Auslöser

Die Tuberkulose, Tb oder Tbc, in früheren Zeiten auch Schwindsucht, wird von Bakterien ausgelöst, die auf dem Luftweg übertragen werden und dann die Lunge angreifen. Es gibt unterschiedliche Formen der Tuberkulose, die zwar heute heilbar ist, aber für Menschen mit einem schwachen Immunsystem immer noch eine Gefahr darstellt. In erster Linie sind die Lungen betroffen, aber auch andere Körperteile wie das Rippenfell, die Hirnhäute, der Verdauungstrakt, die Harnwege, die Haut und die Knochen können von den Tbc-Bakterien betroffen sein. Das ist allerdings eher selten der Fall, dann da eine Tröpfcheninfektion für die Ansteckung zuständig ist, sucht sich der Krankheitserreger die Lunge aus.

Keine seltene Krankheit

Geschätzt ist etwa ein Drittel der Menschen weltweit mit Tuberkulose-Erregern infiziert. Aber nur zwischen fünf und zehn Prozent der Infizierten erkrankt auch an Tbc. Die meisten Erkrankungen und Todesfälle gibt es in den Entwicklungsländern, vor allem in Asien und in Afrika. In Indien gibt es jedes Jahr rund zwei Millionen Fälle von Tuberkulose, weltweit sind es sieben Millionen Neuerkrankungen pro Jahr. Anderthalb Millionen Menschen sterben an der Krankheit. Bedingt durch die Flüchtlingswelle ist Tuberkulose jetzt auch wieder in Deutschland angekommen. Seit 2012 starben in Deutschland 127 Menschen an der Infektionskrankheit.

Eine meldepflichtige Krankheit

Stellt ein Arzt die Diagnose Tbc, dann muss der Patient dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Das Gesundheitsamt registriert und speichert die Daten des Patienten, das gilt auch im Todesfall. Wichtig ist, dass sich die Erkrankten an die Personen erinnern, mit denen sie im engen Kontakt stehen, denn sie könnten ebenfalls infiziert sein. Wer die notwendige Therapie entweder verweigert oder vorzeitig abbricht, der muss gemeldet werden. In diesen Fällen ist es sogar möglich, eine Therapie zu erzwingen.

Die Symptome der Tuberkulose

Die Tuberkulose verläuft in mehreren Stadien:

  • Stadium I

Gab es einen Kontakt zu einem Tuberkulosekranken, dann bilden sich nach acht Wochen Abwehrzellen. Diese Zellen umschließen die Krankheitserreger und dämmen sie ein. Es gibt keine Symptome, wohl aber eine latente Infektion.

  • Stadium II

In diesem Stadium bilden sich entzündliche Veränderungen in Form von kleinen Knoten, die ebenfalls von Abwehrzellen umgeben sind. Die Lymphknoten sind ebenfalls betroffen und die Patienten klagen über leichtes Fieber und über trockenen Husten mit grünlich-gelbem Auswurf. Auch nächtliche Schweißausbrüche sind in diesem Stadium keine Seltenheit, ebenso wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit, eine allgemeine Schwäche und Gewichtsverlust. Kommt es zu einem schweren Verlauf, dann husten die Kranken Blut und klagen über Schmerzen in der Brust. Ist das Immunsystem intakt, dann entsteht rund um die Entzündungsherde eine Vernarbung oder Verkalkung, und der Arzt spricht von einer geschlossenen Tuberkulose. Bei einer weniger guten Immunabwehr entstehen Hohlräume, sogenannte Kavernen im Gewebe der Lunge. Der Krankheitserreger breitet sich über die Atemwege aus, die Krankheit ist ansteckend und der Arzt spricht von einer offenen Tuberkulose.

  • Stadium III

In einigen Fällen verteilen sich die Krankheitserreger in der Blutbahn und so entstehen kleine Entzündungen an den Organen, die der Arzt als „minimal lesions“ bezeichnet. Diese Entzündungen können auch Jahre später noch eine Tb auslösen, was bei 80 Prozent der Kranken der Fall ist. Der Arzt spricht dann von einer sogenannten postprimären Tuberkulose.

Wie wird die Krankheit behandelt?

Das Ziel jeder Tuberkulosebehandlung ist die Heilung der Krankheit. Wie die Behandlung aussieht, richtet sich immer nach der Aktivität der Tb, die sich anhand von Röntgenbildern beurteilen lässt. Zu den Aktivitätszeichen gehören unter anderem:

  • Wie groß ist der Schatten in der Lunge und damit der Entzündungsherd?
  • Wie viele Erreger lassen sich nachweisen?
  • Ist ein Hohlraum (Kaverne) entstanden?
  • Handelt es sich um eine reaktive Vergrößerung eines alten Krankheitsherdes?

Besonders vorsichtig ist immer dann geboten, wenn es sich um eine offene Tuberkulose handelt. In diesem Fall müssen die Patienten ins Krankenhaus und die Behandlung erfolgt auf einer Isolierstation. Schlagen die Medikamente wie gewünscht an, dann wird die Isolation nach drei Wochen aufgehoben und der Patient wird weiter ambulant behandelt. Erfolg verspricht eine medikamentöse Therapie, etwa mit Ethambutol, Rifampicin oder Pyrazinamid. An die aktive Therapie schließt sich eine weitere Behandlung mit zwei Antituberkulotika nämlich Rifampicin und Isoniazid, für die Dauer von vier Monaten an. Ist der Patient durch die Krankheit stark geschwächt oder wenn seine Immunabwehr gelitten hat, dann kann diese Therapie auch ausgedehnt werden.

Die Prognose

Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt und richtig behandelt, dann kann sie vollständig ausheilen. Es gibt aber einige Faktoren, die den Verlauf der Tuberkulose erschweren. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Medikamente nicht wie vom Arzt verordnet eingenommen werden. Es ist allerdings möglich, anhand eines Urintests nachzuweisen, ob der Patient seine Medikamente einnimmt oder nicht. Bei Patienten, die bereits mehrfach erkrankt sind oder deren Immunsystem schwach ist, haben eine weniger gute Heilungschance. Es kann im Verlauf der Tb auch zu Zwischenfällen wie einer Blutvergiftung, einem Kollaps der Lunge oder einer schweren Lungenblutung kommen. Besonders gefährlich ist aber die sogenannte „galoppierende Schwindsucht“, bei der es zu einem rasanten Absterben von ganzen Lungenbereichen kommt. Das Gewebe verfärbt sich gelb, es wird bröckelig und der Arzt spricht daher von einer „Verkäsung“. Handelt es sich um eine offene Tb, dann ist die Gefahr sich anzustecken, sehr hoch.

Fazit

Seit 1998 gibt es in Deutschland keine Impfung gegen Tuberkulose mehr, jetzt empfehlen immer mehr Ärzte, diese Impfung wieder einzuführen. Die Krankheit, die Millionen von Menschenleben gekostet hat und immer noch kostet, hat ihren Weg zurück nach Europa gefunden. Tuberkulose ist lange eine unsichtbare Krankheit, mit der sich jeder infizieren kann. Wer sich ansteckt, der sollte die Tb konsequent behandeln lassen, denn das ist der einzige Weg, um die lange vergessene Krankheit zu kurieren und zu besiegen.

Bild: @ depositphotos.com / oneblink

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Ulrike Dietz
Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: u.dietz@tixio.de