Finanzen

Immer mehr Menschen stehen vor dem finanziellen Ruin

Immer mehr Menschen stehen vor dem finanziellen Ruin

Beinahe jede Woche vermeldet die deutsche Wirtschaft neue rekordverdächtige Zahlen, die Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter und die Einkommen der Deutschen steigen und steigen. Aber trotzdem gibt es immer mehr Menschen, die vor dem finanziellen Ruin stehen. Wie passt das zusammen? Was sind die Auslöser für diese finanziellen Desaster, aus denen sich die meisten nicht mehr selbst befreien können? Knapp sieben Millionen Deutsche haben hohe Schulden und vier von fünf Deutschen, die sich neu verschulden, sind älter als 50 Jahre.

Deutschland geht es gut

Deutschland geht es so gut wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Die Wirtschaft boomt, es gibt immer weniger Arbeitslose und diejenigen, die arbeiten, können sich über ein hohes Einkommen freuen. Das sorgt für jede Menge Optimismus und bedeutet einen ungebremsten Aufschwung. Endlich wagen die Unternehmen wieder zu investieren und die Deutschen sind im Hinblick auf das Weihnachtsfest schon jetzt im Kaufrausch. Die Politik wird einfach nicht müde, diese Weisheiten unters Volk zu bringen, frei nach dem Motto: Auch eine Lüge ist irgendwann mal die Wahrheit, wenn sie nur lange genug erzählt wird. Aber die ganzen tollen Nachrichten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sieben Millionen Deutsche gibt, die vor dem finanziellen Ruin stehen und das ohne eigene Schuld.

Die Zahlen steigen

Fast sieben Millionen Menschen in Deutschland stecken bis zum Hals in der Schuldenfalle. Einen Ausweg, sich mit eigener Kraft aus dieser Falle zu befreien, gibt es kaum. Alleine 2016 ist die Zahl der überschuldeten Erwachsenen um weitere 100.000 gestiegen und ein Ende ist nicht in Sicht. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Ein geläufiges Vorurteil lautet: Diese Menschen sind leichtsinnig und haben einfach die Übersicht über ihre Finanzen verloren, aber das stimmt nur sehr selten. Es sind vielmehr ganz persönliche Schicksalsschläge, die jeden Menschen jeden Tag treffen können und die schnell in den finanziellen Ruin führen.

Was treibt die Menschen in die Armut?

Der Verlust der Arbeit, eine zu schlecht bezahlte Arbeit, eine plötzliche Krankheit oder auch eine Scheidung gehören zu den Ursachen, die immer mehr Deutsche in den finanziellen Ruin treiben. Bei knapp einem Viertel der Schuldner sind eine geringfügige Beschäftigung oder ein schlecht bezahlter Job schuld an der Überschuldung, viele der Betroffenen sind Alleinerziehende. Sie haben es sehr schwer, überhaupt einen Job zu finden, von einem gut bezahlten Job einmal ganz zu schweigen. Rund ein Zehntel derjenigen, die in der Schuldenfalle stecken, haben nur ein kleines Einkommen und gelten als arm. Während immer mehr Menschen unverschuldet vor dem finanziellen Ruin stehen, sinkt die Zahl der Menschen, die durch ihr eigenes Verhalten in die Schuldenfalle gekommen sind.

Die billigen Kredite

Als die EZB die Zinsen auf null gestellt hat, wollten sie den Unternehmen in der Eurozone helfen, an billiges Geld zu kommen. Für die Sparer bedeutet das Verhalten der Europäischen Zentralbank ein Desaster, alle, die einen Kredit benötigen, kommen aber günstiger an Geld. Die Banken haben mit der entsprechenden Werbung den Verbrauchern die billigen Kredite schmackhaft gemacht und viele haben zugegriffen. 23 Prozent der Schuldner haben einen vermeintlich günstigen Kredit aufgenommen und zu spät gesehen, dass die Zinsen von der Bonität abhängig sind. Alarmierend ist außerdem, dass die Zahl der Kredite über 10.000 Euro weiter gestiegen ist und heute bei über 36 Prozent liegt. Kredite über kleine Summen sind dagegen selten.

Auch viele Städte sind betroffen

Selbst wenn die Konjunktur brummt und die Lage auf dem Arbeitsmarkt entspannt ist, 75 Großstädte in Deutschland stehen ebenfalls vor dem finanziellen Ruin. Besonders betroffen sind viele Städte in Nordrhein-Westfalen, die einfach nicht mehr aus den roten Zahlen kommen. Aber anders als bei vielen Schuldnern, sind die meisten Städte selbst für ihre finanzielle Misere verantwortlich. Sie haben Anfang des neuen Jahrtausends in teure Prestigeobjekte wie zum Beispiel riesige Spaßbäder investiert und dann, nach der weltweiten Finanzkrise 2008, standen sie vor dem finanziellen Ruin.

Fazit

Während die Städte und Gemeinden die Steuern erhöhen, um die Kassen wieder aufzufüllen, bleibt den privaten Schuldnern vielfach nur der Weg in die Privatinsolvenz. Die Schuldnerberater müssen sich immer öfter mit einer privaten Insolvenz beschäftigen, denn einen anderen Weg aus der Schuldenfalle gibt es für viele Menschen nicht. Bevor es aber so weit kommt, ist es immer besser, nur dann Schulden zu machen, wenn es nicht mehr anders geht.

Bild: @ depositphotos.com / guillermo

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: u.dietz@tixio.de